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Kinder werden getötet, Faschisten verteidigen Täter und verhöhnen Opfer


Man stelle sich vor, ein schwarzer, muslimischer Flüchtling fräße ein blondes, blauäugiges, arisches Baby direkt aus dem Kinderwagen und die Politik forderte dann das Verbot von Kinderwagen, weil die zu wenig Schutz böten. Und überhaupt sei die Kindsmutter doch leichtsinnig, mit dem Kinderwagen dort zu sein, wo hungrige Nafris sind. Welches wäre wohl die Reaktion der Reaktionäre?

In Österreich, nahe Wien, fuhr eine 39-Jährige mit einem Elektro-Moped (vₘₐₓ = 7 m/s bzw. 25 km/h). Im Anhänger ihre beiden Töchter, 1 und 4 Jahre alt, und zwei Chihuahuas. Ein Autofahrer fuhr, angeblich mit Tempo 70 (19 m/s) auf gerade Strecke in den Anhänger. Die Kinder wurden 15 Meter weit durch die Luft geschleudert. Beide starben, so auch die beiden Hunde. Nur die Mutter überlebte.

Man sollte nun meinen, daß diskutiert werden würde, ob das Auto zu schnell fuhr, ob mit ausreichendem Abstand überholt wurde oder warum der Autofahrer dort überhaupt mit einem tonnenschweren Gefährt so schnell unterwegs war. Vielleicht hat der Fahrer auch mit seinem Telefon gespielt oder sich mit seiner Beifahrerin abgelenkt? Warum darf man auf der Straße überhaupt so schnell fahren? Warum gilt nicht Tempo 30? Wie albern und überflüssig ist die in Österreich geltende Helmpflicht für radelnde Kinder? Es gäbe einiges zu diskutieren, jedoch:

Verkehrsminister Andreas Reichhardt (Faschistische Partei Österreichs), dessen Partei eigene Erfahrungen mit den Gefahren des Automobils gesammelt hat, fordert nun aber ein Verbot von — nein, nicht von tödlichen Autos — Fahrradanhängern! Doch es ist nicht nur die FPÖ. Große Teile der Presse titeln mit Schlagzeilen, die die Schul den Opfern, nicht den Tätern geben. Am ekelhaftesten vielleicht die "Kronen-Zeitung": Beleuchtung vorhanden? Auto erfasste Anhänger: Kinder ohne Helme

Die Leserkommentare hauen alle in die gleiche Kerbe. Nicht das tödliche Fehlverhalten des Autofahrers wird kritisiert, sondern einhellig die Mutter. Diese sei leichtsinnig gewesen, nicht der kindertötende Autofahrer. Wie kann sie nur ihre Kinder so transportieren statt in einem SUV oder gleich einem Kampfpanzer? Warum trugen die Kinder keinen vorschriftsgemäßen Plastikmüll auf dem Kopf?

Stimmen der Vernunft gehen in der Kakophonie des rechten Autler-Pöbels unter:
"Tatsache ist, dass die Gefahr von jenen Fahrzeugen ausgeht, die mit 1,5 Tonnen und 100 km/h unterwegs sind, nicht von Kinderanhängern", schrieb Verkehrsexperte Ulrich Leth von der Technischen Universität Wien auf Twitter.
Der Standard setzt dem Autowahn entegen: "Stoppt den Kindermord!" – von den Niederlanden Verkehrspolitik lernen. Auch Die Presse zeigt Vernunft: Anhänger töten keine Kinder, Autos, Handys und Fehlplanung sehr wohl

Absurd ist, daß nicht nur gegen den Autofahrer wegen fahrlässiger Tötung ermittelt wird, sondern es auch Ermittlungen gegen die Mutter gibt. U.a weil die beiden Mädchen ihre obligatorischen Narrenkappen nicht trugen. Klar, wenn man von einem tonnenschweren Geschoß 15 Meter durch die Luft geschleudert wird, fehlt einem ja nur ein lächerlicher Kinderhelm und alles ist gut!

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