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#Linux und #FreeSoftware Deutschland, wir müssen über #Nationalismus reden. In den letzten Jahren lese ich vermehrt solche Aussagen in der deutschen Linux Szene, und als nicht-ethnisch deutsch, als zugezogener Migrant in Deutschland will ich jetzt mal vorführen, wie das auf mich wirkt. Folgende Aussage las ich :
„Ich fürchte, die Abhängigkeit von amerikanischen Unternehmen wird [...] eher zunehmen, als abnehmen.“
Solche Aussagen sehe ich vermehrt und sie suggerieren, dass der amerikanische Kapitalismus und deren Firmen so ein alleinstellendes Merkmal des Bösen und des Opportunismus hätten. Und es tut mir Leid, aber ich sehe darin einen tiefen Anti-Amerikanismus (ich unterstelle niemandem, dass das was Bewusstes ist -- manchmal sind solche Sachen einfach tief in der Erziehung drin). Es klingt so, als wäre das schlimmste daran, dass wir keinen Public Code for Public Money haben, dass der Amerikaner uns bespitzeln wird und uns mit proprietärer Software das Geld aus der Tasche zieht. So als ob der benevolente Europäer oder Deutsche da von seinem Wesen viel besser wäre und so was nie machen würde. So als wäre der Deutsche insgesamt ein demokratischerer Mensch als der Amerikaner. Und wenn ihr Nachrichten so framet, dann öffnet es Tür und Tor für gewisse Menschen, die das auch gesamtgesellschaftlich als ihre Auffassung von der Welt haben.

Nur mal so zur Info: Es war nicht der Amerikaner, der politischen Druck auf Linux in der Stadt München gemacht hat. Es war nicht der Amerikaner, der wie ein Despot Unix/Linux aus Niedersachsen verbannt hat, den Bürgern darüber keine Rechenschaft ablegt (!) und selbst Heise, dem Verlag in D was IT angeht, den Kommentar darüber verweigert! Es war nicht der Amerikaner, der in Berlin nach Ablauf der sowieso schon viel zu langen Unterstützung von Windows XP noch eine neue Lizenz für Updates gekauft hat. Wenn doch der Deutsche an sich (TM) moralisch so überlegen ist, warum schmeißt er das Geld immer Richtung Amerika? Die ganzen vermeintlich so korrupten und unfähigen Länder im Süden Europas wie Spanien und Italien machen uns hier in Deutschland vor, wie Public Code for Public Money geht. Die italienische Armee (!) hat ein besseres Verständnis darüber, dass LibreOffice Geld spart und besser fürs Gemeinwohl ist, als jede deutsche Stadtverwaltung. Die Regierung von Extremadura, einer bäuerlichen Provinz in Spanien, hat ein besseres Verständnis darüber, dass Public Code Public Money sein muss als jede deutsche Metropole. Ein amerikanisches Red Hat hat viel mehr für Public Code weltweit getan, als das ach so deutsche SuSe, was sich wie ein verzweifelter Cracksüchtiger seit Anfang der Nuller Jahre vor jede nächstbestbietende IT Firma schmeißt (amerikanische überwiegend :D ) und sogar Verträge mit Microsoft hatte.

Und was die Sicherheit und den angeblichen Imperialismus angeht... Erinnert sich noch jemand, als es irgendwelche medienwirksamen Untersuchungen über die Bespitzelung von Angela Merkel gab und wir dann lauter geschwärzte Dokumente lesen durften? Und ob wir nach NSU und Waffenexporten an Tyrannen wirklich den moralischen Zeigefinger erheben sollten was Regierung und Sicherheit angeht, sei mal dahingestellt. Relevanter noch sind die ganzen Kameras auf Bahnhöfen usw. Hat glaub ich auch nicht der Amerikaner installiert, sondern wir selber.

Was will ich damit sagen? Freie Software ist transnational, kooperativ. Hört auf, den moralischen Zeigefinger zu erheben! Was Apple und Microsoft in IT machen, machen Aldi, Lidl oder VW in anderen Ländern auch. Kapitalismus funktioniert so, egal ob im Vorstand ein Deutscher oder ein Amerikaner sitzt. Freie Software funktioniert anders. Hypothetisch haben ein Schotte, eine Amerikanerin, eine Inderin und ein Deutscher an den Programmen gearbeitet, die ich gerade kostenlos nutze, um das hier verfassen zu dürfen. Nationalismus macht diese Art der Kooperation kaputt.

Weg mit dem Nationalismus in Freier Software! Wir brauchen transnationale, transkulturelle Kooperation!

#freiesoftware #publicmoneypubliccode #deutschland
@Thanatos du darfst mich gerne bloßstellen, denn an meinem Beitrag (den du vermutlich zitiert hast, aber korrigiere mich, falls ich falsch liege) ist nichts anti-amerikanisch oder gar nationalistisch.
Aber wenn ich sehen muss, dass Politiker sich in die Abhängigkeit von Unternehmen begeben, die per Gesetz zur Spionage verpflichtet werden, und unsere kritische Infrastruktur in die Hände solcher Unternehmen legen, dann muss es erlaubt sein, davor zu warnen. Bei Huawei drehen alle plötzlich durch, aber bei Microsoft zucken sie nur mit den Schultern. Wer kann mir das bitte erklären?