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#DiePARTEI #Sexismus

Deniz Y. Dix
22 Std. ·

In meiner Partei brennt dieser Tage die Hütte, denn intern läuft eine längst überfällige Sexismusdebatte in voller Pracht. Die verbindliche Direktive von oben lautet nun: Eskalation vermeiden. In dieser Ansicht sind sich alle einig, es gab dazu etliche virale Statements, etwa von Genossin Maybrit Killner, und mit seinem heutigen Statement hat Martin Sonneborn das nochmal bestätigt. Diese Denkweise halte ich für gefährlichen Unsinn.
Was mit "Eskalation" gemeint wird, oftmals lese ich auch "Hysterie", ist das öffentliche Ausdebattieren von sexistischen Ausschreitungen und sexuellen Übergriffen innerhalb der Partei. Man solle diese Angelegenheiten zwar rigoros aufklären, aber "intern" oder "unter vier Augen", "mit dem entsprechenden Verband". Man will das Thema aus der Öffentlichkeit haben, denn man fürchtet, die Partei könne sich dadurch "selbst zerlegen".
Wenn man allerdings Angst davor hat, die Partei könne daran zugrunde gehen, dass frauenfeindliche Sexisten nun öffentlich Verantwortung übernehmen müssen, wäre dieses "sich selbst zerlegen" vielleicht auch angemessen. Wir kritisierten Rainer Brüderle über Jahre hinweg für seinen Dirndl-Spruch, haben unsere Witze über das CSU-Frauenbild im Wahlprogramm stehen, aber wenn der Täter zufällig den richtigen Partei-Ausweis hat, soll es aus der Sichtbarkeit verschwinden. Hier werden Täter aus Gründen des Pragmatismus geschützt, da gehe ich nicht mit.
Niemand betreibt "Eskalation", weil er/sie Sexismus sichtbar macht. Die Schuld liegt einzig und allein am entsprechenden Täter. Die Eskalation verursacht derjenige, der seinen Parteikolleginnen auf einem Parteitag den Rock runterreißt, damit alle mal gucken können; nicht die Person, welche diesem oder anderen Vorfällen Sichtbarkeit verschafft.
Es kann nicht sein, dass man eine Sphäre der Sicherheit für Täter herbeiführt und Opfer effektiv mundtot macht. Wenn die verbindliche Regel, alle Vorfälle nicht-eskalativ, d.h. nicht öffentlich abzuwickeln, Schule machen würde, könnte sich jeder Täter in der Sicherheit sonnen, nie öffentlich Verantwortung tragen zu müssen. Und das in einer politischen Partei, in der jeder per Definition eine Person der Öffentlichkeit ist!
Eher sollte m.E. eine Atmosphäre geschaffen werden, in der jeder Täter weiß, dass er sofort von allen Seiten auf's Maul bekommt, wenn er übergriffig wird - eine Praxis, die ich persönlich beibehalten werde, Sonneborns Quatsch hin oder her.
Wenn man glaubt, die Sichtbarmachung von sexuellem Missbrauch würde die Partei vernichten, dann hat sie ihr Ende auch redlich verdient.
Die übrigen Maßnahmen sehe ich vollständig in diesem Dienste. Man richtet nun z.B. eine zentrale Anlaufstelle für Oper ein, und diese Anlaufstelle soll sogar ein Etat erhalten! Bloß kein Aufsehen erregen, ja, ja. Täterschutz ist dem Bundesvorstand sogar ein Fuffi wert! Yay.

Quelle:

In meiner Partei brennt dieser Tage die Hütte, denn intern läuft eine längst überfällige Sexismusdebatte in voller...

Gepostet von Deniz Y. Dix am Samstag, 6. April 2019