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Corona Eltern Rechnen Ab.


Hier hat eine Bloggerin einen schönen Rant zum mangelnden Verständnis geschrieben, den viele Menschen (leider inklusive der Politik) derzeit Eltern entgegenbringen:
https://kinderhaben.de/coronaelternrechnenab/
Also, an sich bin ich ja mittlerweile einiges gewohnt. In dieser sogenannten „Corona-Krise“ habe ich mir schon mehrfach von Wildfremden anhören dürfen, meine Kinder „gehörten jawohl nach Hause, und nicht auf die Straße, IN DIESEN ZEITEN!“. Mir wurde der Zutritt zu Supermärkten verwehrt, weil ich eins meiner Kinder dabei hatte. Und ein besonders ekliges Exemplar von Mensch beschimpfte mich im Baumarkt als „Blödes Stück Scheiße“ und drohte mir Schläge an, weil ich ihm nicht schnell genug den Einkaufswagen schob, in dem zusätzlich zu 150 Litern Blumenerde auch noch ein Kind saß.

Ich kann also durchaus behaupten, die Verabscheuungswürdigkeit meiner Mitmenschen mittlerweile realistisch einschätzen zu können. Ein Großteil der Bevölkerung besteht nun mal aus Arschlöchern. Ist vielleicht nix neues, kommt in der Krise nur deutlicher zum Vorschein. Trotzdem hat es mich dann doch aufgeregt, mal kurz in Tweets und sonstigen Social Media Posts unter dem Hashtag #CoronaElternRechnenAb zu stöbern.

Kurz zur Erklärung: Die Aktion wurde von Rona Duwe, Sonja Lehnert und Karin Hartmann ins Leben gerufen und sie zielt darauf, die unbezahlte Arbeit von Eltern in der Corona-Krise sichtbar zu machen. Denn anders als die Lufthansa oder die Deutsche Bahn können sich Familien leider nicht auf die Hilfe des Deutschen Staates verlassen. Selbst in der Krise nicht.
Die Idee ist eigentlich nicht schwer zu verstehen…

Die Idee von #CoronaElternRechnenAb ist simpel: Eltern zeigen einfach mal auf, wie viel unbezahlte Arbeit sie gerade – zusätzlich zu ihrer bezahlten Lohnarbeit – noch leisten. Ohne dafür irgendeine Unterstützung zu erhalten (außer zynische Worte an Muttertag, mir ist immer noch schlecht).

Falls irgendwer sich den Zynismus des Bundesministerium für Gesundheit noch mal geben will, hier auf eigene Gefahr:
"Am Sonntag ist Muttertag. Danke allen, die selbst in schweren Zeiten für schöne Erinnerungen sorgen. #Muttertag pic.twitter.com/rOpJiUVnek
— BMG (@BMG_Bund) May 8, 2020"

Nun ja, ebenso wie das völlig bekloppt gewordene BMG, denkt wohl auch ein stattlicher Anteil der Menschen in diesem Land (bzw. in den Sozialen Netzwerken), Elternschaft wäre etwas, was man mal eben so nebenher machen kann. Also, ich meine, so nebenher von beruflichen Verpflichtungen oder ähnlichen Späßen. Denn wenn Eltern nun unter #CoronaElternRechnenAb vorrechnen, wie viel Betreuungsarbeit da jetzt gerade so NEBENHER mal eben gewuppt werden soll, sind die Reaktionen aus der Bevölkerung mal wieder eher so:

„Hätteste halt keine Kinder gekriegt.“
„Bezahlt mich auch bald einer fürs Wäsche waschen, höhö?“
„Was sollen da nur die Kinder denken, kreisch!“
„Wie kann man nur so lieblos sein, Geld für die Betreuung der eigenen Kinder zu wollen?“

Und natürlich immer wieder:

„Hört auf zu jammern.“
„Mimimi“
„Meine Mutter/Oma/Großtante 18. Grades hat sich auch nicht beschwert.“

Ich erspare euch echte Zitate, denn es ist wirklich nicht zum aushalten und mit den obigen Beispielen ist eigentlich alles wiedergegeben. Im Grunde sollte ich mich wohl einfach nicht aufregen, denn ich weiß ja, es ist gute deutsche Tradition, der deutschen Mutter mangelnde Aufopferung für ihr deutsches Kind vorzuwerfen. Trotzdem macht es mich ein bisschen wahnsinnig, mal wieder festzustellen, wie wenig ein guter Anteil unserer Gesellschaft bereit (oder fähig?) ist, auch nur ein ganz kleines bisschen um die Ecke zu denken.
Ist es so schwer, mal ein bisschen um die Ecke zu denken?

Denn haltet euch fest, all ihr Rumpelbirnen da draußen: Es geht überhaupt nicht darum, die Liebe, Sorge und Betreuung unserer Kinder in Geld aufgewogen zu bekommen. Darum ging es vielleicht in Bayern bei der Herdprämie. Wir „Corona-Eltern“ wollen das aber gar nicht.

Allerdings sag ich euch ganz genau, was ich außerdem nicht will: Ich will nicht gezwungen sein, Kinderbetreuung und Erwerbsarbeit irgendwie so NEBENHER unter einen Hut kriegen zu müssen. Denn, Überraschung, das geht einfach nicht! Da können mich noch so viele Muttertagsvideos für meine Leistung loben. Diese Leistung ist nämlich irgendwo gedeckelt, will sagen, die unerschöpfliche Kraft von Müttern (und engagierten Vätern) ist in Wahrheit gar nicht unerschöpflich.
Wir sind nämlich AM ARSCH! Wir können nicht mehr!

Ich persönlich habe ganz im Ernst gar kein Interesse daran, meine Betreuungs- und Sorgearbeit bezahlt zu kriegen. Allerdings habe ich großes Interesse daran, nicht gleichzeitig arbeiten zu müssen, wenn ich, völlig ungeplant, meine Kinder Zuhause betreuen muss. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sehr viele Eltern wahnsinnig gerne ein Corona-Elterngeld in Anspruch nehmen und sich mit Freude und Glück der Vollzeit-Betreuung ihrer Kinder widmen würden.

Manchen Eltern würde vermutlich schon ein gesonderter Kündigungsschutz reichen, damit sie keine Angst haben müssen, aus dem unbezahlten Urlaub heraus gekündigt zu werden, weil der Arbeitgeber beschlossen hat, dass Eltern ihm ohne Kinderbetreuung im Background viel zu risikoreich sind.
Der Witz ist ja: Wir WOLLEN, wir KÖNNEN nur nicht!

Der Witz an #CoronaElternRechnenAb ist ja gerade: Eltern WOLLEN Zeit mit ihren Kindern verbringen. Aber sie KÖNNEN es nicht. Weil die unsichere berufliche Situation jederzeit wie ein Damoklesschwert über ihnen hängt. Weil sie irgendwie den realistisch auf lange Zeit gar nicht zu leistenden Spagat zwischen Kinderbetreuung (und -beschulung) und bezahlter Arbeit eingehen müssen, ohne sich das selbst ausgesucht zu haben.

Ich bin mir absolut sicher: Wir züchten uns hier gerade eine Gesellschaft heran, die gesammelt auf den größten Burnout der deutschen Geschichte zustratzt. Was wir berufstätigen Eltern hier gerade ohne jegliche Entlastung tun sollen, ist schlicht nicht zu schaffen.
Einige nützliche Idee, um Eltern zu entlasten

Übrigens werde ich jetzt hier keine eigene Beispielrechnung stellen, welche Summe meine aktuelle Betreuungsleistung wert wäre. Ich hinke eh schon mit dem Rechnungenschreiben bei meinen eigentlichen Kunden hinterher und steh sowieso nicht so auf Zahlen. Und, wie schon gesagt, will ich da auch gar kein Geld für haben. Was ich stattdessen wirklich sinnvoll fände, wäre z.B.:
  • Ein sofortiger Kündigungsschutz für alle Eltern, die wegen gleichzeitiger Betreuung ihrer Kinder quantitativ oder qualitativ aktuell nicht denselben Job machen können wie zuvor.
    • Ein Corona-Elterngeld, das es Eltern ermöglicht, ihren Job temporär ruhen zu lassen, so lange bis die Vereinbarkeit von Kind und Beruf wieder möglich sein wird.
    • Unkomplizierte Zuschüsse für Babysitter oder andere private Betreuungsformen, die es z.B. Freiberuflern wie mir ermöglichen würden, wieder Aufträge anzunehmen.
So, und wenn nun wieder der Mob kommt und brüllt: „ALS HÄTTE DER DEUTSCHE STAAT FÜR SO WAS GELD ÜBRIG!“, dann sage ich euch eins: Mir würde aus dem Stegreif eine gute Handvoll mir bekannter Unternehmen einfallen, die ihre Mitarbeiter erst mal schön in staatlich finanzierte Kurzarbeit geschickt haben oder gerne auch die Hand für alle möglichen sonstigen finanziellen Aufwände vom deutschen Staat aufhalten. Obwohl sie es sicher nicht nötig hätten! Kontrolliert bloß gerade keiner. Soforthilfe für die Wirtschaft, da muss man schon mal gönnen können. Und klar, ich verstehe die Unternehmen sogar, man nimmt halt, was man kriegen kann. So ist das eben im Kapitalismus.
Für mich als arbeitendes Elternteil gibt’s nix zu holen. Nur was zu zahlen.

Ich sage euch aber noch eins: Ich würde auch sehr gerne nehmen, was ich kriegen kann. Bloß gibt’s für mich nix zu holen. Denn anders als Wirtschaftsunternehmen habe ich als Elternteil nur Pflichten: Selber Steuern zahlen und neue Steuerzahler großziehen nämlich. Unterstützung? Friss dein Kindergeld und stirb. Aber bitte nicht ohne deinen 40-Stunden-Job abzuleisten, damit auch die Steuereinnahmen stimmen. Denn von denen müssen ganz dringend zukunftsweisende Wirtschaftsbranchen gerettet werden. Wie die von benzinbetriebenen Fortbewegungsmitteln.

Verzeiht mir meinen Zynismus, aber ich habe leider gerade wirklich die Schnauze voll und zwar Oberkante Unterlippe. Für Familien ist das hier einfach die größte Verarsche, die man sich vorstellen kann. Und da kann ich eine Horde empathieloser Hillibillies auf Twitter und Co. echt nicht auch noch ertragen.

Ich schließe also mit einem Gepflegten: F*ckt euch ins Knie! Oder vielleicht doch lieber mit einem guten Rat: Dankt Gott oder zu welchem Geschöpf ihr auch immer beten möget, dass ihr euer Home Office gerade in vollen Zügen genießen und euch am Abend vor Ken-FM-Videos völligst entspannen könnt, während ihr an eurer Pepsi nippelt. Ich drücke euch die Daumen, das euer Leben für immer so sorglos und eintönig bleibt, damit ihr noch die Kraft für Rumgepose in den Sozialen Netzwerken findet.

Mir fehlt die nämlich gerade extrem. Und deswegen muss dieser Text hier reichen. Guten Tag.
#familie #coronaeltern #coronakrise
#CoronaElternRechnenAb. Und alle anderen jetzt mal Klappe halten
Na ja, ein wenig Mimimi lese ich schon.
Vermutung: Die Autorin ist in der Kreativbranche tätig, irgendwas mit Medien.
Ich kenne Fälle von Familien, in denen beide Schicht arbeiten. Die Notbetreuung im Kindergarten schließt um 13 Uhr…

Klar, schlimmer geht immer, ich weiß. Dennoch: Jammern auf recht hohem Niveau.
Ja meist sind die Journalisten oder so die sich beschweren.
KAOS diaspora
Na ich würde mal sagen, wir haben alle gerade ein fucking Recht auf ganz viel "Mimimi".
Mein Einkommen zum Beispiel ist weggefallen, weil wir keine Kinderbetreuung haben. Und das interessiert in der Politik keine Sau. Wir sollen hier etwas leisten, was unmöglich ist, und dann sollen wir gefälligst auch noch die Klappe halten und uns nicht beschweren. DEUTSCHLAND IST SCHEISSE.
dann sollen wir gefälligst auch noch die Klappe halten und uns nicht beschweren.
Verlangt wer?
KAOS diaspora
„Hört auf zu jammern.“
„Mimimi“
„Meine Mutter/Oma/Großtante 18. Grades hat sich auch nicht beschwert.“
Ach das meinst Du. Ja, diejenigen, die ihre Filterblase für die Welt halten, sind dumm, bleiben dumm und sterben nicht aus.
woran habt ihr denn erkannt, dass die twitterschreiberinnen keine schichtarbeit machen, oder habt ihr extra recherchiert, wer Rona Duwe, Sonja Lehnert und Karin Hartmann sind und wo die arbeiten? und wieso sollen eletern aus der "kreativbranche" nicht "jammern" dürfen? das "jammern" bzw "problem" ist doch nicht kreativ-branche-spezifisch, sondern betrifft eltern aller klassen und je weiter nach "unten" man kommt, desto enger werden die wohnungen und desto grösser wird das problem, oder?
War nur eine Vermutung wegen des Schreibstils. Nach etwas Lesen finde ich das
Ich im Badezimmer, zwei nackte planschende Kinder in der Wanne, da ruft ein Kunde an und gibt Korrekturen für eine wichtige Pressemeldung durch
Im übrigen verbietet sich das Verbieten von selbst.
Wie gesagt: Jammern auf vergleichsweise hohem Niveau - wenn man Tipps zur Zeiteinteilung geben kann, dann ist man verglichen zum Beispiel mit Schichtarbeitern in einer verhältnismäßig komfortablen Situation.
gut, wenn man meint, denen gehts einfach nicht dreckig genug, um auf sich aufmerksam zu machen, dan würde ich ja mal attestieren, dass deutsche, die hier im schichtbetrieb arbeiten, auf einem vergleichsweise hohen niveau jammern, wenn wir uns mal die situation in moria angucken oder in indien, da sind bundesdeutsche schichtarbeitende schon in einer verhältnismässig komfortablen position, allerdings bin ich mir unschlüssig, wie ich jetzt die rumänischen erntehelfer!nnen einordne, aber da wird sich schon was finden lassen, dass auch die auf verhältnismässig ...... ich nehme an, es wird klar, worauf ich hinaus will?
ich will niemand ans bein pissen, aber genau so funktioniert entsolidarisierung und die halte ich für falsch
ps ich hab keine kinder, ich will keine kinder, aber ich kann trotzdem mit eltern, ALS eltern solidarisch sein