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Begehrt die Jugend endlich wieder auf?

Da ist die #FridayForFuture -Bewegung, die sich heftig gegen die koalitionären Pläne zum #Kohleausstieg und die Kriecherei in die Ärsche der #Autoindustrie wehrt. Und nun geht auch noch eine große Widerstandswelle durch die #YouTuber -Szene, die anscheinend begriffen hat, dass ihnen eine konsequente Anwendung der #Uploadfilter ihre Vorstellung von Existenz abgraben könnte. Die Straßen könnten bald voll werden - von Jugendlichen, die kapiert haben, dass Demokratie nicht immer nur darin bestehen muss, die immer erschreckenderen Hirnrisse der aktuellen "Volksvertreter" zu ertragen zu müssen, bis es zu spät ist.

Allerdings haben die meisten dieser empörten Jugendlichen keinerlei Demo-Erfahrung. Ganz im Gegensatz zu erfahrenen #Berufsdemonstranten von #Gewerkschaften, #NGOs und Jugendverbänden von #Parteien. Unschuldiger Wille trifft also auf routinierte ideologische Vereinnahmungsgefahr. Wir liefern euch ordentliche Podeste und Megaphone, dafür sagt ihr alles so, wie wir das abnicken.

Vielleicht wird ja auch ein generationenübergreifender Protest daraus. Das würde mich am meisten freuen. Dann könnte ich nämlich auch mitmachen :-)
Habe heute erst mit einem Bekannten ausgiebig über die Problematik philosophiert, ob (Schüler-)Proteste eigentlich der richtige Weg sind. Politik wird darauf - wenn überhaupt - nur marginal eingehen, ist zu befürchten.

Ein Auszug:

Wer nun auf die Politik hofft, setzt auf's falsche Pferd. Die Kids haben in meinen Augen eine (sehr wahrscheinlich sogar die einzige) ganz große Chance: sie müssen Vorbilder werden! Nicht nur durch Plakate malen, sondern durch Bildung eines neuen Bewusstseins. Wenn die Kids es schaffen, die eigentlichen Probleme zu erkennen, werden sie die Welt auch gänzlich ohne die Politik verändern können. Die Lösung dieser Probleme wird nicht in fadenscheinigen Alternativen liegen, sondern in der konsequenten Vermeidung. Die Kids müssen sich also bewusst werden, dass Videos streamen irre viel Strom verbraucht - nicht nur im Handy. Sie müssen erkennen, dass solche Konsumkonzepte wie Primark schnellstmöglich verschwinden müssen. Das alles können sie AB SOFORT selbst steuern - ganz ohne Politik. Sie müssen AB SOFORT bei allem Fragen stellen. Warum kaufe ich Äpfel aus Chile? Warum eine Gitarre aus Indonesien? Warum das Mineralwasser aus einer 1000 km entfernten Quelle? Und das Schonungsloseste dabei: sie werden Antworten darauf finden müssen, die grundehrlich sind. Und ganz ohne Politik werden sie das alles ändern können - wenn sie es wirklich ernst meinen. Nun habe ich viel und oft "die Kids müssen" geschrieben - und Du wirst schon die Augen gerollt haben, weil ich "die Alten" auslasse. Weil von denen keine Initialzündung zu grundlegenden gesellschaftlichen Veränderungen kommen wir. Zumindest nicht in der großen Masse. Da fehlt oft nicht einmal der gute Wille, es liegt halt zumeist an konditionierten Gewohnheiten und an der mentalen Steifigkeit. Aber auch hier könnten die Kids eine Menge bewirken, wenn sie ein anderes Leben vorleben. Der Akzeptanz- und Lernprozess wird bei den Alten bissel dauern, aber abschreiben würde ich die Alten noch nicht. Wir müssen - nach meinem Dafürhalten - den Kids klarmachen, dass sie vielleicht besser wieder in die Schule gehen sollten. Denn die Welt muss man anders retten! Sie haben das Werkzeug dafür bereits in der Hand. Die Lösung liegt nicht im Fordern, sondern im Machen. Wir sollten ihnen hierbei (sofern überhaupt gewünscht) Hilfestellung geben. Und wenn's sein muss, auch mal scharf kritisieren. Auf alle Fälle haben sie durch die Diskussionen der letzten Tage erreicht, dass ich mir selbst wieder mehr Fragen stelle - mit unbequemen Antworten hinten dran. Die Richtung stimmt also schon mal. Wir brauchen nun nur noch viel mehr Drive! ;)
ab sofort? das ist doch so eine demutivierungsmethode. keiner muss von heute auf morgen ALLES unternehmen was möglich ist. schrittweise ist realistischer.
außerdem bin ich kein freund von gesetzen und staat. allerdings wäre es trotzdem von vorteil wenn der staat hier was regeln würde, weil wir nicht mehr so viel zeit haben mit dem schützen der umwelt und bis man es auf emanzipativeweise außerhalb des parlaments gelöst hat. die zeit spielt hier ein großer faktor.

@Ulli Gabsch heute mal kein göbbels meme um deine meinung zu untermauern?
@Ulli Gabsch Au Backe, da haben wir ihn wieder: den guten alten "Sei die Veränderung, die Du Dir wünscht" Quatsch.

Auf all die Fragen zu Äpfeln aus Chile bis zu den konditionierten Gewohnheiten gibt es eine einfache Antwort: Weil die Welt, in der wir leben, so gestaltet ist, dass all dieses "Fehlverhalten" normal ist und das Richtige zu tun sauschwer und oft unmöglich. Die Welt ist so gestaltet durch Politik.

Ich sags mal extrem: Wer mit einer DC9 nach Kapstadt fliegt und dort mit einem führenden Politiker bei Mac Donalds einen LongChicken verschlingt und diesen Politiker dabei dazu überredet, Flugzeugtreibstoff vernünftig zu besteuern, hat damit mehr erreicht als jeder, der nie fliegt und vegan von lokalen Genossenschaftsprodukten lebt.

Die Macht von Konsumenten tendiert gegen Null. Abweichler können locker ignoriert und/oder mit Nischenprodukten zurückgeholt werden. Wer sein Tofu bei Veganz kauft, könnte, vong sozialer Veranteworterung her, auch bei Lidl einkaufen, die Gemüseprodukte bei Lidl haben oft ein Ökosiegel und denen, die dort arbeiten, geht es eigentlich sogar besser als den Leuten, die von Veganz ausgebeutet werden, weil ihnen keiner erzählt, sie müssten "für eine gute Sache" mit enggeschnalltem Gürtel zu fiesen Bedingungen auf eine Hungerrente hinarbeiten.

Nur Politik kann das ändern. Und wenn irgendwelche Aktionen, von Boykott bis Alternativökonomie etwas bewirken, dann sind sie Politik.
@Rudolf Goldman, den Goebbels habe ich natürlich für Dich nach wie vor im Giftschrank, falls Du mal wieder über die Stränge schlägst. ;)

Nee, dieses SOFORT halte ich für wichtig. Das ist wie mit dem Rauchen aufhören. Man findet sonst schnell 1000 Ausreden und Alibis.

Der Staat kann hier gern mit ins Boot kommen, wenngleich ich glaube, dass der gar nicht mehr die notwendigen Handlungsspielräume (sprich: Unabhängigkeit) dafür hat.
@Ulli Gabsch
Du sagst:
wenngleich ich glaube, dass der gar nicht mehr die notwendigen Handlungsspielräume (sprich: Unabhängigkeit) dafür hat.
... sooo dann wird die Politik(Gesetzgebung, Handelverträge, Gerichtsbarkeit etc) also heute nicht mehr von Staaten gemacht? Da könntest Du leider nicht ganz unrecht haben. Aber nur scheinbar. Die Macht der Lobbyorganisationen muss sich in staatlichem Handeln manifestieren, um wirksam zu werden, sonst müssten sie ja nicht lobbyieren, sie könnten gleich selber bestimmen, wo es lang gehen soll...

Es gibt viele mächtige Politiker, die sehr Lobbyfreundliche Politik machen, aber die Lobbys machen keine Politik.
@Hartmut Noack, Du nimmst das "Fehlverhalten" in der Gesellschaft als unveränderbar an. Ich glaube - besser: hoffe -, dass das veränderbar ist. Es ist lediglich unbequem, alte und liebgewonnene Muster abzulegen. Und sollte das kollektive Umdenken eine kritische Größe übersteigen, wird's durchaus interessant ...
@Hartmut Noack
geht es eigentlich sogar besser als den Leuten, die von Veganz ausgebeutet werden,
hast du da ein link für mich? ich hab nur ein indymedia artikel von 2012 gefunden.
Nein, @Rudolf Goldman, ich kenne nur Leute, die für dieses Startup schuften persönlich und eine sehr gute Freundin hatte sich dort beworben (in Berlin) und dann dankend abgelehnt, zu den geforderten Bedingungen mitzuspielen.
@Hartmut Noack, nenn' mich naiv, aber ich denke, ein konsequenter Bewusstseinswandel im Konsum könnte die gesamte wirtschaftliche Globalisierung in Frage stellen. Ich halte es für denkbar, dass allein durch ein reflektierteres Konsumverhalten 80% des heutigen weltweiten Güter- und Personenverkehrs hinfällig werden könnte. Und da reden wir noch gar nicht über eine Verringerung von Produktionsmengen.
tini diaspora
Ich denke die jungen Menschen erkennen durch diese Demos, dass es viele gibt, die so denken wie sie selbst. Das macht Mut und Hoffnung und führt zu weiteren Einsichten, um dann auch die anderen Dinge (siehe oben) zu tun. Der Mensch braucht echte Gemeinschaft, um sein volles Potential zu erfalten. Es passiert nicht nur das eine es passieren viele Dinge gleichzeitig.
@Hartmut Noack und @Ulli Gabsch: Es sind doch denke ich immer beide Faktoren, die für Veränderungen eine Rolle spielen: zum einen das veränderte Verhalten größer werdender Teile der Bevölkerung (der "Bewusstseinswandel"), und zum anderen aber auch die notwendigen politischen, gesetzlichen Änderungen, die einen solchen Wandel letztlich manifestieren. Ich glaube allerdings auch, dass beim gegenwärtigen politischen System bei den Regierenden keine echte Sensibilität für Bewusstseinsveränderungen im Volk zu erhoffen ist. Deshalb muss Druck auf diese Politiker, aber auch auf die Wirtschaft gemacht werden. Ein großes Problem dabei ist, dass - in Deutschland noch stärker als in anderen Ländern - die Wirtschaft von verändertem Konsumverhalten gar nicht immer so viel mitbekommt, weil große Teile der Wirtschaft von Gütern leben, die in in (Schwellen)-Länder exportiert werden, wo das große, ungehemmte Konsumieren gerade erst beginnt.
Vielleicht auch noch passend zum Thema, auch wenn in den USA:
Ich gehe absolut mit @Ulli Gabsch mit und hoffe, dass mit dem veränderten Konsumverhalten im "reichen" Mitteleuropa der Mehrkonsum zumindest ausgeglichen werden könnte, auch wenn meine Sicht auf die Weltwirtschaft sehr oberflächlich ist.

Die Fähigkeit unseres Nachwuchses allerdings sehe ich sehr optimistisch! Gerade durch diesen Youtube-Hype, der auch hier bei uns unglaublich ist, haben sie trotz alles elterlich empfundenen Mist, einen ziemluch guten Blick auf die Welt.
Vermutlich bekommen sie so auch eine Protestwelle hin, die sich uns gar nicht erschließt.
Gerade durch diesen Youtube-Hype, der auch hier bei uns unglaublich ist, haben sie trotz alles elterlich empfundenen Mist, einen ziemluch guten Blick auf die Welt.
Vermutlich bekommen sie so auch eine Protestwelle hin, die sich uns gar nicht erschließt.
das spiel geht leider auch andersrum. von tips zum mobbing über beauty/lifestyle einlullenden videos zum "greta ist teil der jüdischen weltverschwörung". also auch hier gilt, daß es immer in beide richtungen ausschlagen kann.
Liebe @Bettina Schwarz und @Ulli Gabsch, es ist ja schön und richtig, dass Ihr der Jugend zutraut, alles besser machen zu wollen, ich bin in dieser Hinsicht auch optimistisch und hoffe darauf, dass die Kids tendenziell zumindest vieles besser machen werden.
Nur ist all das zerstörerische Konsumverhalten die Basis des ökonomischen Systems. Das beruht in erster Linie auf Wachstum: mehr produzieren, mehr verbrauchen, mehr Gewinn.
Das ist kein "Fehler", das ist die Grundlage der kapitalistischen Wirtschaft.

Sobald also eine Jugenbewegung bewirken würde, dass das zerstörerische Wachstum zurück geht, hätte die Politik ein sehr massives Problem, das sie dann wohl auch lösen würde.

Nur eine Politik, die weniger Arbeitsplätze, weniger Produktion und weniger Gewinne nicht als Problem, sondern als Ziel betrachtet, könnte das ändern.
@Hartmut Noack Zustimmung. Die Sache hat nur einen Haken: Alle, die in der Politik in der Lage wären, entsprechende Weichen zu stellen, sind Netto-Profiteure des aktuellen Systems und haben somit aber auch nicht das geringste Interesse, das zu tun...
Ich sehe das auch positiv.
Wir Erwachsenen können viel mehr noch als nur unterstützen und Zuspruch geben.

Ich möchte auch gern saubere Atemluft in Innenstädten.
Ich möchte auch gern eine intakte Natur, schöne Wälder, grüne Wiesen.
Ich möchte auch ein Zukunft ohne Krieg ums Erdöl oder andere Ressourcen.
Ich möchte gesunde Nahrung ohne Pestizide, Glyphosat und gequälte Tiere.

Wir erwachsenen können aktiv etwas tun. Bei Kleinigkeiten wie Einkäufe und auch in größerem Maßstab.

Mal ein Impuls, ein Gedankenanstoß für jene hier, die über finanzielle Mittel (egal in welcher Größenordnung) verfügen:

Achtet darauf, was mit eurem Geld geschieht.

Wenn ihr den Firmen euer Geld überlasst, die Wetten abschließen (mit Aktien spekulieren / Fondsparen / Investmentbanking etc), dann Wetten diese Banken gegen die Zukunft eurer Kinder, gegen eure eigenen Interessen.
Nehmt den Menschen die gegen die Interessen eurer Kinder handeln, wetten abschließen und spekulieren, sich verzocken, euer Geld wieder weg.
  • Nahrungsmittel Spekulanten
  • Rüstungsfirmen
  • Handel mit Wasserrechten
  • Handel mit CO2 Emissionspapieren
  • Handel mit Aktien von Kohle & Atomstrom Produzenten
  • Unternehmen mit offensichtlich schlechter Umweltbilanz
Prüft eure Versicherungen, Fonds, Investment Anlagen, eine formlose eMail an eure Bank genügt, fragt nach was mit eurem Geld geschieht. Das muss nicht sein, dass euer Geld die Zukunft eurer eigenen Kinder zerstört.

Es gibt einige wenige Banken, die ethische Richtlinien als Werte definiert haben und auch kontrolliert befolgen.
Bei einigen dieser Banken bekommt man auch die Möglichkeit, mit zu bestimmen, wie das Geld angelegt werden soll.
Unterstützt diese bitte. Wenn ihr Geld habt, dann will ich euch nicht belehren oder sagen ihr sollt verzichten. Ich will nur anregen, nehmt euch ein - zwei Tage zeit, vielleicht auch mit euren Kindern und überlegt, wie das für ihre Zukunft angelegt werden soll.

Vielleicht in ...
  • Bildungsprojekte
  • Erneuerbare Energien
  • Umweltschutz
  • Tierwohl
  • Forschung
Das bringt vielleicht keinen so hohen finanziellen Profit, dafür ist es aber politische Einflussnahme und ein sozialer Profit in der Zukunft.

Es ist sicherlich auch kein Allheilmittel, aber wäre es nicht gut das Geld den Menschen anzuvertrauen, die damit die Interessen euer Kinder unterstützen? Wer an die Zukunft denkt und Nachhaltigkeit statt kurzfristiger Profite möchte, wird vermutlich verantwortungsvoller handeln, als jene Zocker die uns die Bankenkrise bescherten.

Als Beispiel für Menschen mit geringen finanziellen Mitteln:
Wir haben zB Genossenschaftsanteile gekauft zu je 50€ das Stück, von Genossenschaften die sich für die Dinge einsetzen, die wir für wirklich Unterstützenswert halten. Das kann man sich, seinen Mitmenschen und seiner Umwelt. durchaus mal gönnen. Manche davon geben tatsächlich eine Rendite aus, andere bitten darum die Rendite behalten zu dürfen, damit kleine Projekte schneller wachsen können. Es liegt ganz bei jedem selbst und es ist gar nicht schwer, solche Projekte im Internet zu finden.
@Torsten Appelhagen stimmt schon, ich halte das aber für ein lösbares Problem.
@Torsten Appelhagen nein... eher die Drohung mit dem, was Politiker noch mehr erschreckt als jede Knarre und Guilliotine: Bedeutungslosigkeit.
Die SPD lernt diese Lektion gerade, die andren werden folgen, wenn sie sich nicht schlauer anstellen.
Es ist nämlich so, dass Politiker ähnlich wie Geld sind: wenn man nicht dran glaubt, wird es wertlos.
Schön gesagt, @Hartmut Noack. :)
Die SPD lernt diese Lektion gerade, die andren werden folgen, wenn sie sich nicht schlauer anstellen.
Es ist nämlich so, dass Politiker ähnlich wie Geld sind: wenn man nicht dran glaubt, wird es wertlos.
die spd wird zwar immer schwächer, aber der paralmentarismus lernt nicht draus.
@Rudolf Goldman kommt Zeit kommt Rat...
die nächste spd (linkspartei) partei hat doch schon mit den fehlern der spd angefangen. das system ist nicht reformierbar.
@Rudolf Goldman altmodische Sozialdemokratie wäre zwar nicht zukunftstauglich aber immerhin ein Fortschritt zum Neoliberalismus und besser als nationalistische Sozialdemokratur im Stil der neuen Rechten. Vom schimmeligen Konservatismus ganz zu schweigen....
Passend zum Thema: Die neue Aufklärung

Auch wenn Rubikon für manche hier ein rotes Tuch ist - das Interview ist sehr lesenswert!
Anas friendica
@Ulli Gabsch Muss man aber irgendwie eine frischer Kopf zu haben. Ich habe jetzt beim ersten Lesen nicht alles verstanden.
aber anstatt etwas nur ein bißchen besser zu machen sollte man lieber das richtige anstreben.
@Rudolf Goldman die Forderung nach "dem Richtigen" hat noch nie funktioniert. Genau gesagt hat sie oft unsäglichen Schaden angerichtet.
Revolution ist gut und richtig, wenn die Revolutionäre etwas besseres als das bestehende in der Pipeline haben.
Wir haben aber schon eine liberale parlamentarische Demokratie. Die mag korrumpiert und schwach sein aber wer sie stürzen will, muss etwas praktikables besseres anbieten.... Hinzu kommt, dass die westliche Demokratie sehr sehr flexibel ist, sie ist noch nicht einmal wirklich unverbrüchlich an den Kapitalismus gebunden, wie man an Roosevelts New Deal und an Maynard Keynes sehen kann.
@Hartmut Noack
Es ist nämlich so, dass Politiker ähnlich wie Geld sind: wenn man nicht dran glaubt, wird es wertlos.
DAS wiederum halte ich für einen gefährlichen Trugschluss. Der einzelne Politiker, die einzelne Partei mag noch untergehen - aber um wem oder was zu weichen? Die Regierung wäre auch dann noch "legitim gewählt", wenn nur eine einzige Person einen (gültigen) Stimmzettel abgibt.
Natürlich kleben alle an ihren Pöstchen, aber so lange sie brav tun, was ihnen die Lobbyisten und späteren Lohnfortzahler sagen, hat doch keiner wirklich was zu befürchten, egal wie sehr dem Wählerwillen zuwider gehandelt wird. Zumal man ja wunderbar vor jeder Wahl wieder sehen kann, wie vergesslich und/oder blöd das Wahlvieh ist.
Die wertlosen werden also entweder durch scheinbar wertvolle = gefährliche ersetzt (die braunen Spuren sind ja nie wirklich ausgemerzt worden) oder aber sie sorgen dafür, dass ihre Stellung unangreifbar wird (Polizeigesetze, Einsatz der BW im Inneren, ...).
@Hartmut Noack Ja, genau das ist es, was wir sehen wollen: eine als erstarrt geglaubte parlamentarische Demokratie, die sich mal antikapitalistisch verbiegen kann wie ne junge Tänzerin. Da wäre ich sofort Feuer und Flamme dafür. Aber ich sehe Tag für Tag nur immer noch erbärmlicheres Verhuren seitens der Politik an vermeintliche Garanten des stabilen Wohlstands, nämlich deutsche Großkonzerne, die sich nur noch über Wasser halten können, weil sie ihre Produkte von gestern an große, unreflektierte Märkte in Schwellenländern verschachern und die Welt damit nur noch schneller ruinieren. Und das soll ich toll finden?
@Stefan Münz ich habe in der DDR gelernt, dass Politik eigentlich nie etwas ist, das man toll finden kann. Danach in der neuvereinten Bundesrepublik wurde das nicht viel besser aber immerhin beweglicher.

Was erwartest Du genau? Eine Lichtgestalt? Eine Revolution?

Mit letzterem rechne ich eigentlich ganz sicher. Aber nicht in den kommenden 20 Jahren, jedenfalls nicht mit einem Tag, den man dann später feiern könnte.
Ein paar neue, etwas verantwortungsbewusster agierende Politiker innerhalb des bestehenden Systems könnten wirklich große Verbesserungen bewirken.
Sie könnten sogar den Kapitalismus in die Schranken weisen, auf Basis des altmodischen Prinzips des Ordoliberalismus zum Beispiel.

Ein Bürgergeld könnte eine soziale Revolution bringen und ll diese, realistisch denkbare politischen Entwicklungen könnten die Menschheit sogar etwas näher in Richtung einer sozial und ökologisch gebundenen Anarchie bringen.

Mit der ideologischen Basis des totalen Kapitalismus, dem Neoliberalismus, will schon heute keiner mehr was zu tun haben. Und in den USA und Groß Britannien wird gerade nachgewiesen, dass auch eine Rückkehr zum Nationalkapitalismus der 1970er sinnlos und als politisches Programm nichts als Schwindel ist.

Und China, Indien und Afrika werden das sehr aufmerksam beobachten. Westeuropa hat die realistische Chance, ein besseres Modell anzubieten und das sollte man mit Nachdruck einfordern, sonst herrschen zynische, korrupte Zweckpolitiker weiter.
Der Systemwechsel, also die Revolution, wird kommen. Die Frage dabei ist: Wie wird wird sie kommen?! Einen schnellen Wechsel halte ich für hoch gefährlich. Ideal wäre es, wenn wir uns über einen langen Zeitraum, also recht organisch, in eine neue Werteumgebung hineinschleichen könnten. Ich befürchte jedoch, dass uns hierzu schlicht die Zeit fehlen wird. Wenn wir Pech haben, rutschen wir vielleicht aber zuvor auch erst einmal wieder in feudalismusähnliche Zustände zurück.
Anas friendica
Revolution ist ein schneller Wechsel, bedarf vorher der "revolutionären Situation", von der wir weit entfernt sind.
Da wir Deutsche sind, von denen Lenin schon behauptete, dass wir zu "Revolution" nicht in der Lage sind ;), müssen wir also versuchen, wirklich unser eigenes Wandlungssystem zu schaffen, langsam...
Mein Plan, einen regionalen Wirtschaftskreis mit eigenem (regionalem) Geld zu schaffen, ist leider in einer frühen Phase gescheitert.
@Ulli Gabsch das sehe ich ähnlich. Und gerade deswegen muss man die Politiker und das ganze politische System wichtig nehmen. Nur die Politik kann den großen Wandel, der ökologisch und sozial notwendig ist, so organisieren, dass es nicht katastrophal wird.