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CSU-Minister: Dunning-Kruger-Effekt


Gibt es eigentlich - außer Faktenresistenz und der Fähigkeit, jegliche Experten zu ignorieren, sprich: Dunning-Kruger-Effekt - irgendein weiteres Kriterium um CSU-Minister zu werden (OK, vielleicht noch dem großen Vorsitzendem in den Hintern kriechen)? Wie kommt man eigentlich - gegen jeglichen Expertenrat - auf die vollkommen schwachsinnige Idee Autofahrern ohne Ausbildung und Prüfung Motorrad fahren zu lassen? Ein Fahrzeug, was per se schon relativ gefährlich ist, von ungeübten Fahren im Straßenverkehr zu steuern? Welches Problem genau soll das lösen?

#csu #scheuer

Führerschein: Autofahrer sollen bald Motorrad fahren dürfen


Verkehrsminister Andreas Scheuer will nach SPIEGEL-Informationen die Führerscheinregeln ändern: Bald soll jeder Autofahrer auch Motorrad fahren dürfen - mehr als 100 km/h schnell. Experten sind entsetzt.
Mark Nowiasz hubzilla (AP)
@h.ear.t Hat ja auch so gut bei der PKW-Maut geklappt :smirk:
Geht da ein Virus der Gehirne auffrisst in der Regierungsetage rum, oder nur bei der csu?
Ohne Ausbildung ist ja schon mal nicht korrekt. Der Entwurf sieht mind 7,5 Zeitstunden für Fahrpraxis und Theorie vor. Ebenso nur für Menschen ab 25 soll dies möglich sein. Einzig die Prüfung entfällt, da die Fahrschule die Eignung bescheinigt. Dass es eine ähnliche Regelung in der Vergangenheit bereits gab (FS vor 1.4.1980) und in anderen EU-Ländern weiterhin gibt, wird auch vergessen.
Im Gegensatz zur bisherigen inkludierten M-Klasse, die ja jeder B-Inhaber bereits jetzt fahren darf, ohne jemals auf einem entsprechenden Zweirad gesessen zu haben, ist das deutlich sinnvoller.
Am Ende wird es doch nur ein kleiner Teil sein, der den Weg in Anspruch nimmt, um nicht mit diesen sinnlosen 45km/h durch die Gegend eiern zu müssen.
Mark Nowiasz hubzilla (AP)
Dass damals - vor 1980 - der Verkehr ein ganz anderer war (und man für den Führerschein deutlich weniger Stunden brauchte) und noch früher es keine Einteilungen in 1A/1B gab (sondern direkt 1) wird aber auch immer gerne vergessen. Es hat schon seinen guten Grund - u.a. aus Fehlern gelernt - dass die Klassen eingeschränkt wurden. Früher durfte man auch mit Klasse 3 bis zu 20 Tonnen Gespanne (7.5 Tonnen LKW und 12 Tonnen Anhänger, sofern einachsig) fahren, heute ist dafür eine separate Klasse notwendig.

Warum bitte soll man die Fehler der Vergangenheit machen, gegen sämtlichen Rat aller Unfallforscher und Experten vorgehen?

Nebenbei: 7,5h Zeitstunden sind weit weniger als für den Sportbootführerschein Binnen - obwohl ein Motorrad (gerade bei dem jetzigen Verkehr!) wesentlich gefährlicher und schwieriger zu steuern ist als ein Boot.
Die Regelung mit dem FS vor 1980 gab es aber in den 1990ern bzw Anfang 2000 als der EU-Führerschein eingeführt wurde, einerseits Bestandsschutz, ab er auch um eben zumindest teilweise das EU-Recht in DE ebenfalls umzusetzen.

Und ja, früher gab es weniger Verkehr, da war der Anteil an Motorrädern größer, weil schneller und günstiger verfügbar. Wenn man das allein auf den Platzbedarf runterbricht, sinkt die Gefahr wenn statt Auto jeweils ein Motorrad fährt. Unfälle zwischen Motorradfahrern sind seltener.

Dass ein Sportbootführerschein mehr Stunden erfordert, liegt aber vermutlich auch an deutlich mehr und anderer Theorie.
Wenn man einen vorhandenen B-Klasse um A erweitert, muss man zwar mehr Stunden Theorie machen, aber davon sind 80% allgemeine Theorie, die man ja eigentlich schon kennt. Daher sind die Praxisstunden zum Erlernen der Bedienung und Fahrphysik im Ansatz das Wesentliche. Am Ende lernt man das Fahren eh erst danach.

Bezüglich Gefährlichkeit: warum darf ein B-Klasse Fahranfänger PKW mit weit mehr als 500PS einfach fahren, aber eine ein A2-Anfänger nur maximal 48PS Motorräder. Warum kein Stufenführerschein für PKW?
Im Übrigen fühle ich mich durch PKW/LKW in Deutschland eher gefährdet, als mich selbst auf dem Krad.Kommt in etwa dem gleichen Gefühl nahe, wie wenn ich mit dem Fahrrad fahre
Mark Nowiasz hubzilla (AP)
Ja klar sind alte Regelung immer noch gültig - Bestandschutz. So dürfte ich theoretisch immer noch 7,5 Tonner mit 12 Tonnen Anhänger fahren - was reiner Wahnsinn wäre. 7,5 Tonnen bin ich schon gefahren (mehrmals), ist ein komplett anderes Fahren als PKW, LKW mit Anhänger bin ich noch nie gefahren, PKW mit Anhänger schon (auch das ist gewöhnungsbedürftig, wenn auch kein großes Problem). Gegen einen Stufenführerschein in B hätte ich absolut nichts einzuwenden, in anderen Ländern gibt es genau dies - die Aufspaltung der alten Klasse 3 in B, C1, E war schon ein Schritt in die richtige Richtung. Ansonsten schließe ich mich den Kommentar aus der Sicht des Motorradfahrers (siehe Artikel) an - und als jemand, der ein Fahrsicherheitstraining hinter sich hat hätte ich auch nichts dagegen ein Fahrsicherheitstraining obligatorisch zu machen.

Scheuers Führerscheinpläne für Motorräder: Gegen die Wand - SPIEGEL ONLINE - Mobilität


Motorradfahren fordert Können und Körpereinsatz - mit Autofahren hat es nichts zu tun. Dass Verkehrsminister Scheuer Autofahrer in Scharen ohne Prüfung aufs Motorrad lassen will, ist daher vor allem: gefährlich.
Interessanter Kommentar. Ich lese und höre von Motorradfahrer eher andere Dinge und wir sprechen hier immer noch von LKR mit maximal 15PS. Ja, es ist ein Motorrad, aber eben nicht vergleichbar mit A2 oder A-Fahrzeugen. Und wie ich schon oben angedeutet habe, es würden ja auch nicht die Massen auf einmal daher kommen und Moped fahren wollen. In der Regel sind es Leute, die vorher schon echtes Interesse hatten und diese bemühen sich dann meist auch.

Andersherum gibt es leider auch einige A-Klassen-Inhaber, die trotz (vermutlich) ausführlicher Ausbildung mit Prüfung nicht fahren können oder wollen im Sinne von ordentlich.
Mark Nowiasz hubzilla (AP)
Naja, das LKR ist immerhin schnell genug um auf der Autofahren fahren zu dürfen - und wenn es eh' nur die Leute betrifft, die ein echtes Interesse haben, warum nicht alles beim alten lassen, diejenigen können doch einen Führerschein machen?

Ansonsten sehe ich nämlich eher folgende Klientel als Zielgruppe: Ab in den Urlaub, in einer Ferienfahrschule an einem Samstag die 7 Stunden abreißen und dann ein LKR mieten um die Alpen/die Eiffel/den Schwarzwald/das Sauerland/wo auch immer zu fahren.
500€ oder 2000€ machen hier den Unterschied, um festzustellen, ob die Erwartungen erfüllt werden.

Erweitern auf A/A2 kostet ja mittlerweile deutlich mehr, als es gleich bei B mitzumachen. Da aber auch schon beim direkten Mitmachen die Kosten idR viele zunächst abschrecken, wird eben nur B gemacht. Dann sehnen sich manche danach, wollen aber, trotz Interesse nicht das große Geld investieren.
Der günstige Einstieg könnte aber dafür sorgen, dass die Menschen dann doch den A machen wollen und bereit sind, dann doch zu investieren.

Auch wenn es keine Prüfung gibt, ein Verwaltungsaufwand zum Nachtrag der Schlüsselnummer im FS ist erforderlich, damit fällt das angegebene Beispiel in der Form weg. Mal davon ab, das funktioniert ja auch nicht für B-Klasse. Denn die meisten Autovermietungen erwarten ja, dass der FS mind seit 1 Jahr gültig ist.
Die nachgetragene Schlüsselnummer wird vermutlich ebenfalls mit Datum hinterlegt, da könnten hier, die so gut wie kaum vorhandenen Motorradvermieter das genauso handhaben.

Aber schon interessant wie in Deutschland FS-Regelungen hart kritisiert werden. In der Schweiz beispielsweise kann jeder mit Klasse B einen Lernführerschein für Klasse A beantragen und sofort, ohne Fahrschule losfahren, um dann später eine Prüfung abzulegen.

Oder in Irland muss man zur Prüfung der B-Klasse mit einem auf sich selbst zugelassenen PKW zu Prüfung fahren, da muss der Fahrschüler auch bereits im Vorfeld der Ausbildung am Straßenverkehr teilnehmen.
Karsten hubzilla (AP)
Ich finde, man sollte einfach die Grenze von 45 km/h auf 60 km/h raufsetzen und alles ist gut. In meiner Jugendzeit liefen die Roller auch alle 60 (offiziell 50).